Ich bin heute aufgewacht mit einer tiefen, beinahe lähmenden Traurigkeit in mir. Die Intensität meiner Gefühle überfordert mich immer wieder. Meine frühere Strategie, mit Emotionen umzugehen war, sie zu analysieren, deren Herkunft zu erforschen und eine geeignete Lösung zu finden. Damit gelang es mir oft, den Schmerz von mir wegzulenken. Die körperliche Schwere, die leere im Bauch und den Knoten im Hals, den ich beim Versuch die Tränen zu unterdrücken spüre.
Mein Crash hat mich dazu gezwungen diese Gefühle zuzulassen. Mein ganzes System schien verrückt zu spielen. Gedankennebel, nichts mehr sehen können, Panikattacken, Heulkrämpfe… Ich wurde dazu gezwungen hinzusehen und hinzuspüren. Ich musste „auf die harte Tour“ lernen, dass es keine Antwort gibt, keine perfekte Analyse und manchmal auch keine bessere Lösung, als diese Gefühle zuzulassen. Je länger ich mich dagegen wehre, desto länger scheint es anzuhalten. Ein Mal bleibt es den Tag, ein anderes Mal die Woche oder den Monat über… Dann heißt es aushalten, gut zu mir sein, mir Pausen zu gönnen und mich bestenfalls immer wieder zu regulieren.
Wobei „Aushalten“ für mich inzwischen zu negativ behaftet ist. Klar, es ist kräftezehrend, aber Akzeptanz geht wohl anders. Im Englischen wird häufig der Ausdruck „to sit with your emotions“ verwendet. – Also, mit den eigenen Emotionen zusammen zu sitzen. Wenn ich bei diesem Bild bleibe, kann ich mir vorstellen, diese Traurigkeit wie einen Gast, einen alten Freund oder einen alten Feind zu behandeln – ob erwartet oder unerwartet. Doch er geht erst, wenn er selbst bereit ist. Also habe ich die Möglichkeit ihn anzuschreien, wegzusperren, zu verleugnen oder ich empfange ihn, setze mich zu ihm und warte…
Heute bin ich eine viel emotionalere Version von mir selbst. Erreichbarer. Es kann sein, dass ich das schon immer war und über die Jahre einfach zu gut gelernt habe alles wegzudrücken. Seit einiger Zeit versuche ich zu lernen Gefühle zu fühlen, das ist vermutlich auch die gesündere Variante des Seins. Aber es ist auch anstrengend. So sehr. Und an einem Morgen wie diesem, wenn die Welt der Erwachsenen, des Funktionierens auf mich wartet, wünsche ich mir wieder diese Kontrolle zurück. Denn spätestens dann kommt die Überforderung zurück, verdrängt die Akzeptanz und mein Mitgefühl mit mir selbst.
Wie von allein sind sie wieder da, diese Fragen: „Woher kommt dieses Gefühl? Warum ist diese Emotion da? Weshalb gerade jetzt?“ … mit dem Unterschied, dass das Gefühl bleibt.
Das Morgentief gehört leider für viele Menschen zur Depression dazu. Für mich macht es das besonders schwer irgendwie aus dem Bett zu kommen… Heute habe ich nur für kurze Zeit am Funktionieren – oder so tun – festgehalten und bin nach 3 Stunden arbeiten wieder nach hause. Trotzdem ein Schritt, der mir immer noch sehr, sehr schwer fällt.
Zum Thema Radikale Akzeptanz gibt es übrigens auch was im Guide…


